Pilotvorhaben „Mehr Wasser für Wiesenbrüter“ hat begonnen
Die Uferschnepfe ist in Bayern kurz vorm Aussterben. 2025 brüteten in Bayern nur noch 14 Paare dieser Wiesenbrüterart, vier davon im Wiesmet. Maßnahmen für die Uferschnepfe haben für das Naturschutzprojekt „chance.natur Mittelfränkisches Lebensraum Altmühltal“ oberste Priorität. Aber auch andere Wiesenbrüter wie Kiebitz oder Brachvogel leiden unter Wassermangel. Die zunehmende Erwärmung führt zu höherer Verdunstung und lässt Wiesenmulden zu schnell und zu früh im Jahr austrocknen. Das Naturschutzprojekt startete deshalb ein Pilotvorhaben zur aktiven Bewässerung.
Warum ist Wasser so wichtig? Nasse und seicht überflutete Wiesen und Mulden bieten Schutz vor natürlichen Feinden und jede Menge Nahrung. Wiesenbrüter sind angepasst an die Nässe. Mit dem langen Schnabel stochern sie im weichen Boden nach Kleintieren. Das Wasser bremst das Pflan-zenwachstum, was den kleinen Küken die Chance gibt, gut an Insekten und Kleintiere heranzukommen und gleichzeitig ausreichend Schutz zu haben. Trocknen die Mulden, wie in den letzten Jahren häufig zu beobachten, schon im April aus, unterbleibt der Schutz, Küken finden weniger Nahrung und müssen zur Futtersuche weite Wege auf sich nehmen. Das kostet zusätzliche Energie und erhöht das Risiko, erbeutet zu werden.
Klimatische Wasserbilanz [l/m2] (y-Achse) der Monate März-Juni aus den Fünfjahresmitteln 2004-2024 (x-Achse) anhand der Daten der Wetterstation Triesdorf (LfL 2025, eigene Darstellung).
In der Regentalaue im Landkreis Cham und im Bremer Blockland konnten die Bruterfolge durch eine aktive Bewässerung von Flachmulden innerhalb von wenigen Jahren um den Faktor drei gesteigert werden. Aufgrund der guten Erfolgsaussichten wird nun auch im Wiesmet eine Bewässerung von Flachmulden durchgeführt, zunächst als Pilotvorhaben für drei Jahre.
Im Zuge des Vorhabens werden über eine etwa 500 m lange Rohrleitung etwa 100 Kubikmeter Wasser pro Tag aus dem Nesselbach in das Muldensystem im Wiesmet gepumpt. Die Bewässerung erfolgt im Zeitraum von April bis Mitte Juni, d.h. in der sensiblen Brutzeit, wenn die Wehre im Wiesmet abgesenkt sind, das Frühjahrshochwasser abgelaufen ist und die Mulden beginnen auszutrocknen. Mit Unterstützung des Wasserwirtschaftsamtes Ansbach konnte ein wasserrechtlicher Antrag gestellt und über das Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen genehmigt werden. Im März wurde die Pumpanlage geplant und dank tatkräftiger Unterstützung freiwilliger Helfer der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und der Zustimmung der Gemeinde Muhr am See im April installiert werden. Da die Installation der geplanten PV-Anlage zur Stromerzeugung leider nicht termingerecht gelang, wird nun übergangsweise zunächst mit einem Stromaggregat gearbeitet.
Ziel des Vorhabens ist es, Erfahrungen zu sammeln. „Können die Mulden ausreichend nass gehalten werden? Wie wirkt sich dies auf die die Wiesenbrüter aus? Und vor allem, gelingt es, den Bruterfolg zu steigern? Parallel sollen alternative Möglichkeiten der Wasserbereitstellung geprüft und gefunden werden. Projektleiter Dietmar Herold ist optimistisch: „Was bei anderen Projekten gelang, sollte auch im Altmühltal Erfolg zeigen. Mehr Wasserrückhalt hilft auch dem Klimaschutz.“