Lebensraum Altmühltal

Was bedeutet Prädationsmanagement?

 

Begriff

Unter Prädation (lateinisch „praedatio“ = Raub) versteht man in der Biologie das „Beutemachen“, d.h. ein Tier (der Räuber oder Prädator) jagt ein anderes Tier und ernährt sich davon. In ursprünglichen Ökosystemen ist dies ein natürlicher Prozess, bei dem Räuber und Beute in einer gegenseitigen Wechselbeziehung stehen und sich die Waage halten.


Eine Krähe wird verjagt
Andreas Stern

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Rotfuchs
Andreas Stern

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Hermelin
Andreas Stern

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Problem

In stark veränderten Kulturlandschaften kann es zu einem Ungleichgewicht kommen. „Räuber“, die wenig spezialisiert sind, wie z.B. der Fuchs, können in strukturarmen Landschaften leichter Beute machen. Sie profitieren. Demgegenüber haben es spezialisierte Arten, mit hohen und speziellen Lebensraumansprüchen, wie z.B. Wiesenbrüter, aber auch Rebhuhn oder Feldhase schwerer. Sie finden weniger Schutz und geeignete Brutplätze, müssen auf der Suche nach Nahrung weitere Wege zurücklegen und werden durch zusätzliche Faktoren beeinträchtigt, wie z.B. Störungen. Aufgrund des geringeren und schlechteren Lebensraumangebotes sind ihre Populationen ohnehin schon vermindert und geschwächt. Was dazu führt, dass die natürlichen Abwehrmechanismen nicht mehr funktionieren. Wiesenbrüter sind Koloniebrüter, d.h. viele Tiere brüten nahe beieinander. Wenn sich früher „Räuber“ in die Kolonie verirrten, wurden sie mit einer Überzahl an Alttieren abgewehrt. Verluste konnten aufgrund der großen Zahl von Gelegen und Küken verkraftet werden. Je kleiner die Population und je mehr Räuber auftreten, umso weniger funktioniert diese Strategie. Dr. Norbert Schäffer, der Landesvorsitzende des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V., bringt dies auf den Punkt, wenn er sagt: „Die ersten 95% der Wiesenbrüter haben wir aufgrund der Lebensraumveränderung verloren, die letzten 5% verlieren wir an Prädatoren.“


offene Landschaft
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Lösungen

Wir sprechen bewusst von „Prädationsmanagement“ und nicht von „Prädatorenmanagement“. Denn Prädationsmanagement ist viel mehr als nur die Jagd. Prädationsmanagement baut auf einen Katalog von Maßnahmen auf, die kaskadenartig abgestuft auf eine Verminderung des Prädationsgeschehens von geschützten Arten abzielen.

Die wichtigsten drei Säulen des Prädationsmanagements, abgestuft nach ihrer Bedeutung, sind:

 

1. Lebensraumverändernde Maßnahmen

1.1. Lebensraumverschlechterung für Prädatoren, z.B.:

  • Rücknahme von Gehölzen im Brutgebiet, die als Ansitz und Brutplatz für Krähen, Elstern oder Greifen dienen oder Bodenprädatoren Deckung und Lebensraum bieten oder
  • Mahd von Schilfflächen, die Bodenprädatoren Deckung oder Rohrweihen Brutplätze bieten.

1.2. Lebensraumverbesserung für Bodenbrüter, z.B.:

  • Mehr und längerer Wasserrückhalt in den Wiesen,
  • Kleinflächige, vielfältige und zeitlich wechselnde Wiesenschnitte oder Beweidung,
  • Temporäre Altgrasstreifen oder
  • Reduzierung von Störungen.

2. Gelegeschutzmaßnahmen

  • Kleinräumige Elektrozäune von Einzelgelegen,
  • Großräumige Einzäunung von Brutgebieten mit Litzenzäunen zum Schutz von Gelegen und Küken,
  • Vergrämungsmaßnahmen (z.B. bei Krähen)

3. Jagdliche Maßnahmen

  • Ansitz-, Einzel- oder Gemeinschaftsjagd,
  • Fallenjagd oder
  • Fuchsbaujagd.

Zaunbau
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Zaunbau
Thilo Albath

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Gelegeschutzzaun
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Wassergraben
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Begleitung und Erfolgskontrolle

Wichtig ist, dass die jagdlichen Maßnahmen koordiniert und in enger Zusammenarbeit erfolgen. Aufgrund des Migrationsverhaltens und der hohen Reproduktionsraten des Fuchses sind lokal begrenzte Maßnahmen sicher nicht zielführend. Jagdliche Maßnahmen sollten möglichst flächendeckend innerhalb und im Umfeld der Brutgebiete stattfinden. Der Erfolg der Maßnahmen muss überwacht werden. Im Projekt ist geplant, mit den örtlichen Jägern eine Koordinationsgruppe aufzubauen, die unterstützt bei der Wahl der Methoden, bei Art der Umsetzung und der Bewertung der Ergebnisse.

Gleichzeitig ist es wichtig, die Wirksamkeit aller Maßnahmen zu untersuchen, zu bewerten und bei Bedarf nachzusteuern. Hierzu ist es nötig gleichermaßen die Population der Prädatoren in den Blick zu nehmen und die der Wiesenbrüter. Zwei Fragen sind zu klären: Gelingt es die Bestände der Prädatoren zu senken und von den Brutgebieten fernzuhalten und gelingt es den Bruterfolg der Wiesenbrüter steigern?

Und vor allem ist es wichtig zu wissen, welche Prädatoren haben welchen Anteil an den Verlusten, um die Maßnahmen gezielt planen oder nachschärfen zu können. Hierzu wurde 2026 ein Gutachten beauftragt, das erste Erkenntnisse liefern kann.


Tabelle zum Prädationsmanagement
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